Zur Spezifik der Repräsentationsarchitektur im Nationalsozialismus, von Andrea Mesecke, Stadt der Architektur - Architektur der Stadt, S. 187-199.

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... Kultur ist, als "Resultat eines phylogenetischen Gewordenseins" (Klaus Richter), eine Leistung des menschlichen Gehirns. Dabei sind stammesgeschichtlich festgelegte Verhaltensweisen keineswegs gänzlich eliminiert. Unsere Wahrnehmung beispielsweise diente ursprünglich der Orientierung.

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Abweichungen von der erwarteten Ordnung verstehen wir noch heute als Signal; sie lösen Irritationen aus, vermögen Angst und Aggressionen ebenso hervorzurufen wie Neugier und Freude über das Ungewohnte. Ein grundlegendes Ordnungsprinzip der Natur ist die Symmetrie, auf die der Mensch von Anbeginn geprägt wird und die seine Erwartungshaltung entscheidend beeinflusst. Hierarchischer Aufbau und Monumentalität in der gebauten Umwelt werden aufgrund von Erfahrung und durch Sozialisation als Herrschaftszeichen wahrgenommen (...), verstärkt durch die kulturspezifische Identifikation mit einer Architektur, die sich diese Mechanismen über Jahrhunderte zunutze gemacht hat.

Denn der Mangel an erbgenetisch festgelegten Auslösungen für ein artspezifisches Verhalten wird durch die biografische Prägung in Form von gruppenspezifisch erworbenen Verhaltensweisen kompensiert. Erfahrungen beruhen aber auf Informationen, die durch unsere Sinnesorgane vermittelt werden und die wir auf der Basis unserer kulturellen Prägung interpretieren.

Stadt der Architektur - Architektur der Stadt. Berlin 1900-2000

herausgegeben von Thorsten Scheer, Josef Paul Kleihues und Paul Kahlfeldt. Katalog zur Ausstellung im Neuen Museum, Museumsinsel, Berlin-Mitte, 23. Juni bis 3. September 2000, Berlin: Nicolai, 2000

 

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Unser Bewusstsein, unser Denken und Handeln, baut demnach auf der Vergangenheit auf. Die in früheren Epochen festgelegte Hierarchie in der sozialen Welt wird als vorgegebene Ordnung verinnerlicht und findet in den gebauten Werken ihren Niederschlag. Veränderungen in der gelebten Realität der jeweiligen Gesellschaft vollziehen sich nur allmählich durch Umwandlung und Neuinterpretation tradierter Formen und Strukturen.

Fortschritt kann in diesem biologischen Zusammenhang nicht mehr sein als Anpassung an äußere Umstände - wie den technologischen Fortschritt - durch Modifikation. Gleichwohl schafft Ordnung allein Gewöhnung, Langeweile, Trägheit und Unachtsamkeit; deshalb bedürfen wir der Abweichung als Stimulanz. "Das Leben balanciert auf dem Grat zwischen zuviel Ordnung und zuwenig, zwischen Zufall und Notwendigkeit, zwischen Gesetz und Freiheit." (Peter Sitte)

Die Effizienz des NS-Regimes beruhte auf zuviel Ordnung, auf Eintönigkeit und Abstumpfung durch intellektuelle Unterforderung. "Alle Nazi- oder faschistischen Schulbücher bedienten sich eines verarmten Vokabulars und einer elementaren Syntax, um die Instrumente komplexen und kritischen Denkens im Keim zu ersticken." (Umberto Eco) Der primitive "Reduktionsklassizismus" (Winfried Nerdinger) der repräsentativen NS-Architektur bediente sich in diesem Sinne der "Denkhemmung" einer rudimentären Sprache, die auf einfachste Aussagen beschränkt war. ... (S. 198-199)

Foto: A. Speer, Südbahnhof, Modell, Detail

 

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